Schüler helfen Menschen

Schüler helfen Menschen - vormals: Bosnien-AG


Die Bosnien-AG, die uns jahrelang vertraut war als aktive Gruppe, die sich insbesondere für Kindergartenprojekte im ehemaligen Jugoslawien eingesetzt hat, heißt jetzt: Schüler helfen Menschen. Lothar Kutsch, der Leiter der AG, hat die Ursachen für diese Änderung im folgenden Beitrag skizziert.

Altes im neuen Gewand

Mit Beginn des neuen Schuljahres saß mal wieder ein kleiner Kreis von Schülerinnen und Schülern in der Cafeteria zusammen und wälzten die allbekannten Fragen nach dem Sinn und dem Erfolg der Arbeit in der BOSNIEN-AG. Es schien uns allen so, als wenn irgendwie die Luft raus war, denn wir hatten es nicht geschafft unser eigentliches Ziel zu erreichen. Dieses hatte darin bestanden, die Stabilisierung der AG trotz des Weggangs der Abiturienten noch im letzten Schuljahr sicherzustellen. Denn nur so schien uns eine langfristige Perspektive gewährleistet zu werden, nämlich die weitere Unterstützung der Organisation SOS Kinderdörfer, für die wir im Schuljahr 2001/2002 recht erfolgreich Öffentlichkeitsarbeit betrieben hatten und welche wir mit einer größeren Summe unterstützen konnten. Letztlich reduzierte sich alles auf die Frage: Wo bekommen wir neue Mitglieder her?
Also hieß es wie bisher jedes alte Mitglied bringt drei neue zur nächsten Sitzung mit!
Und es klappt - nicht. Wie sollte es auch, wenn das Interesse an einer AG gleich null ist, die ja doch nur das Image zu haben schien eine Arbeits- und keine Spaß-AG zu sein. Hieß es doch für die Mitglieder anscheinend, irgend etwas für irgendwen dann irgendwann in einer zugigen Pausenhalle zu verkaufen. Anscheinend hatten wir etwas falsch gemacht! Der eigentliche Sinn unserer Motivation und unserer Arbeit und auch die Freude, die es dabei gegeben hatte, war einfach "nicht rüber gekommen". Also wurde ein neuerlicher Anlauf unternommen. Wir gaben uns einen neuen Namen Schüler helfen Menschen und versuchten über eine Plakatkampagne auf unser Anliegen aufmerksam zu machen, und siehe da, es gab doch noch Interessenten.

Nun es gab sicherlich auch einen anderen Aspekt, der uns geholfen hat. Die Medien berichteten ausführlich über die Flutkatastrophe in Sachsen, so dass viele Schüler/-innen über die Ereignisse informiert waren und es uns dadurch wohl auch leichter fiel unser Anliegen der humanitären Hilfe zu transportieren.
Der Zufall wollte es, dass der AG-Leiter durch ein Fax der Fachberatung für Kitas der ev. Kirche Hannover, welches an seine Frau gerichtet war, von einer Einrichtung in Pirna erfuhr, die durch das Hochwasser erheblichen Schaden erlitten hatte. Ein weiterer Zufall wollte es, dass wir Kontakt zu Frau Last bekamen, einer Barsinghäuserin, die auch persönliche Beziehungen zu dem Kinderhaus hat. Dieses war für uns ein Gewinn von immenser Bedeutung, denn dadurch wurde die AG authentisch und recht aktuell mit Informationen versorgt, die wir dann weiter geben konnten.

Bei mehreren Treffen werteten wir Videomaterial und Tageszeitungen aus. Die Information der Schulöffentlichkeit war angesagt, somit der nächste Schritt vorgegeben: die Erstellung einer Informationstafel. Nachdem das geschehen war, mussten wir aber feststellen, dass das Interesse der Schüler/-innen an den Ereignissen in Sachsen in dem Maße auch zurückging, wie es aus den Medien verschwand. Wir standen wieder am Punkt Null ! Also weitermachen? Das "Na klar doch" klang dann doch etwas zögerlich. Wenn es nicht eine erste kleine Spende an das Kinderhaus hätte gehen können und wir nicht durch Frau Last von der Freude in Pirna erfahren hätten, die Suppenlöffel und Suppenquirl ausmachen können, wer weiß? Sicherlich, wir hatten die beeindruckenden Bilder unserer Ausstellung vor Augen. Wir wussten ja, dass das Kinderhaus einen Schaden von 1 Mio. Euro erlitten hatte, weil das Wasser in den Räumen bis zu 2,50 m hoch gestanden hatte, dass alle Einrichtungen unbrauchbar geworden waren und das Haus bis aus weiteres nicht bewohnbar war. Wir wussten, dass die Kindergruppen unter diesen Umständen in ein eigentlich weniger geeignetes altes Gebäude ausquartiert worden waren und dass dieses keine eigene Küche hatte und somit auch keine Zubereitung einer eigenen warmen Mahlzeit zuließ.
"Es fehlt an allem, nur an Hoffnung und Durchhaltewillen nicht", so Frau Last. Konnten wir da aufgeben?

Die AG beschloss mit einem Stand auf dem Weihnachtsmarkt vertreten zu sein, um mit Selbstgebasteltem, Selbstgebackenem für die Renovierung des Kinderhauses Gelder einzuholen.

Es klappte, die Stadt Barsinghausen unterstützte unser Vorhaben mit einer niedrigen Standmiete, wir schafften es die Dekoration und ein verkaufsträchtiges Angebot zu besorgen und konnten auch einen Großteil unserer Waren verkaufen. Der Erlös machte uns Mut, so dass wir beschlossen am Abend des Weihnachtskonzerts des HAG mit einem Informationsstand anwesend zu sein. Da wir wussten, dass die Moral und das Fressen, frei nach Bertold Brecht, ein eigen Ding sind, übernahmen wir auch die Pausenbewirtschaftung. Es galt mit Kollegen, Hausmeistern, Adele Scheidler-Würsig Absprachen zu treffen, Deko zu besorgen, in einer Nachmittagsaktion gemeinsam Kanapees zu belegen, und, und, und ......Also doch eine Arbeits-AG?
Klar doch, aber eine, die Freude macht. Dies gilt schon während der Vorbereitungsphase. Es gilt aber um so mehr, wenn der Erlös von allen Aktivitäten, einschließlich der uns von den Musikern des Weihnachtskonzerts zur Verfügung gestellten Spende, eine Summe von 1 500.- Euro ausmacht, die wir demnächst nach Pirna überweisen können. Da kommt Freude auf!

Und bei dieser Resonanz in der Schulöffentlichkeit wird es uns vielleicht noch eine Weile geben. Wir werden sehen.