Eigenproduktion "Märchen von der Wahrheit" begeistert die Besucher in der Aula des Schulzentrums
Von Karsten Diekmann
Kirchdorf. Als die Schauspieler am Ende des Stückes auf die Bühne kommen, um sich ihren verdienten Applaus abzuholen, will der Beifall in der Aula des Schulzentrums Am Spalterhals nicht enden. Die rund 200 Besucher des Theaterstücks "Märchen von der Wahrheit" sind von der Eigenproduktion der Theater-AG des Hannah-Arendt-Gymnasium (HAG) vollauf begeistert.
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Dr. Leven (rechts) versucht mit Gwenüber ihre "Besucher" zu reden. Die Geister, die sich überall um das Bett von Gwen versammelt haben, sieht er nicht - noch nicht. Foto: Diekmann
Bereits die erste Szene ist verstörend und faszinierend zugleich. Auf der erweiterten Bühne in der Aula des Schulzentrums steht ein Bett. Darin liegt eine junge Frau - Gwen. Sie schläft, wälzt sich hin und her. Plötzlich treten unheimliche Gestalten auf den Plan - die Geister sind angekommen. Gepeinigt von ihrem Albtraum schreit sie auf.
Jetzt geht das "Märchen von der Wahrheit" erst richtig los. Eine geisterhafte Erzählerin berichtet von der wahren Geschichte, den wahren Bewohnern der Welt: Geistern. Die Menschen leben in einer Scheinwelt, sie interessieren sich nicht für das wahre Wesen der Welt, sind glücklich in ihrem überschaubaren und doch falschen Kosmos.
Es folgt der Auftritt der Geister. Schnell ist klar: Die Erscheinungen sind in zwei Lager gespalten. Während die einen der Meinung sind, den Menschen die wahre Natur ihrer Umgebung erläutern zu müssen, bestehen die anderen darauf, die Menschen vor der "unfassbaren" Wahrheit zu schützen und sie unwissend, aber glücklich zurückzulassen.
Da die Menschen die Wahrheit, die wahre Natur der Welt leugnen, können sie die Geister weder sehen noch hören. Nur sehr wenige können das- wie zum Beispiel Gwen. Sie wurde nach dem Tod ihrer Eltern in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Gwen kann die Geister zwar sehen, aber verstehen kann sie sie nicht. Noch nicht. Als der gute Geist Laurelin versucht, mit ihr zu sprechen, sieht sie nur die Lippenbewegungen.
Szenenwechsel - Janosch, Ellen und Florian, Gwens Freunde, treffen sich. Gesprächsthema ist Gwen und der vermeintliche tödliche Unfall ihrer Eltern. Plötzlich jedoch hört Florian Stimmen, er kann die Geister verstehen.
Zurück in der Psychiatrie auf Station 3. Gwen liegt im Bett und bekommt Besuch von ihrem behandelnden Arzt, Dr. Leven. Immer wieder versucht er von Gwen zu erfahren, wer sie denn be- beziehungsweise heimsuche. Als die Geister das Gefühl haben, Dr. Leven könne sie sehen, befehlen sie Gwen, den Arzt zu töten. Als schließlich Gwens Freunde zu Besuch kommen, eskaliert die Situation.
Geschrieben hat das Stück Katharina Niko. Die 19-Jährige belegt am HAG Englisch- und Deutsch-Leistungskurse. Vor dem Theaterstück hat sie bereits einige kurze Geschichten sowie Gedichte geschrieben. "Am Schreiben fasziniert mich, dass ich meine Gedanken zu Papier bringen kann", sagt Katharina. Eine komplexe Geschichte wie das "Märchen von der Wahrheit" zu erzählen, habe ihr viel Spaß bereitet. Aufgeschrieben hat sie das Stück in den Sommerferien 2004. Die Musik komponierte Richard Carter, der Engländer ist als Sprachassistent am HAG - er unterstützt die Englischlehrer bei ihrem Unterricht.
In den letzten zwei Wochen haben die 24 Schüler der Jahrgänge neun bis 13 täglich rund fünf Stunden geprobt. Montag und Mittwoch waren komplett für Proben reserviert. Für die Technik waren Frank Holthaus am Mischpult, Wiebke Bruns und Dennis Hanke für die Beleuchtung verantwortlich.
Einäußerst sehenswertes Stück. Mit faszinierenden Bildern und fantastischer, sphärischer Musik werden die Zuschauer in die Welt von Gwen hineingesogen. Das Stück wirft elementare Fragen über Wahrheit, Gut und Böse auf. Was ist gut und was ist böse? Sind die Geister, die die Menschen unwissend halten wollen, böse? Warum aber sterben die Menschen, mit denen die "guten" Geister Kontakt aufnehmen?
© Deister-Leine-Zeitung, 16.04.2005


