Hannah-Arendt-Gymnasium Barsinghausen - Projekttag 8.Mai 1945

Projekttag 8.Mai 1945

Projekttag 8.Mai 1945


Unter dem Moto "8. Mai 1945 - Erinnern und Verantworten" haben die Schülerinnen und Schüler des 10. bis 12. Jahrgangs des Hannah-Arendt-Gymnasium, mit ihren Lehrern eine denkwürdige Ausstellung geschaffen.

Die Ausstellung startet mit einem "Tunnel" durch die Geschehnisse der Zeit des Nationalsozialismus. An Stellwänden sind Ereignisse symbolisiert. Man findet Szenen der Bücherverbrennung, der Judenausgrenzung, der Konzentrationslager und der Bombenzerstörung durch Engländer und Amerikaner, die mit viel Mühe detailgetreu nachgestellt wurden.

An vielen Stellwänden findet man Texte, die Hintergrundinformationen enthalten, wie z.B. Berichte über Auschwitz und anderen Konzentrationslagern. Die eine Stellwand trug einen Nachbau des Schriftzuges "Arbeit macht frei", der heute immer noch über dem Lagereingang des KZs Auschwitz hängt.

An der Ausstellung unter der Leitung von Herrn Kutsch waren die Fachgruppen Geschichte, Kunst, Musik, Philosophie und Politik beteiligt.


Zu sehen sind: Herr Hartmann, Frau Mußmann, Herr Kutsch, Frau Willing, Herr Pfurr, Herr Schaefer, Frau Klees, Frau Stegen -- Dieses Bild: © Deister-Leine-Zeitung, 04.05.2005


Die Eröffnung der Ausstellung begann am 4.5.2005 mit einigen Stücken einer "Orchesterauswahl". Anschließend spielten einige Schüler eine Szene aus dem Eichmann-Prozess nach, an dem Hannah Arendt als Prozessbeobachterin teilnahm.

Der Höhepunkt der Veranstaltung war die Zeitzeugin Ingrid Willing, von der liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover, die als Jüdin die Geschehnisse der Judenverfolgung aktiv miterlebt hatte. Sie erzählte den versammelten Schülern über ihre Erlebnisse damals und die Folgen für heute. Sie begann ihre Erzählung mit einem Lob für die Arbeit der Schülerinnen und Schüler: "Ich bin tief beeindruckt, dass sich heutzutage junge Leute so viele Gedanken machen".

Biografie: Ingrid Willing

wurde 1930 als Kind eines Marinesoldaten in Wilhelmshaven geboren. Ihre Mutter war Jüdin. 1935 musste ihr Vater nach zwölf Jahren Dienst die Marine ohne Abfindung verlassen.

Die Familie verheimlichte den Glauben der Mutter.
Am 9. November 1938, der Reichskristallnacht, sah die damals 8-jährige Ingrid mit ihrer Mutter aus dem Fenster, wie in anliegenden Gebäuden die Wohnungen und Glasscheiben von jüdischen Bewohnern zerstört wurden.

1943 zog die Familie nach Wuppertal. Dort wurde die Mutter auf die "schwarze Liste" gesetzt und zur Gestapo geladen.
Doch die Familie hatte Glück und der durch einen Bombenabwurf entstandene Brand vernichtete alle Unterlagen.

Nun flüchtete die Familie nach Eichsfeld (Thüringen). Dort kamen sie bei einem Förster unter, der ein richiger Nazi war. "Hätter der gewusst, dass er eine Jüdin in seinem Haus hat..."

Eines Tages erwischte der Förster die Familie dabei wie sie den englischen Sender BBC hörten. Doch der anfängliche Zorn verflog und einige Tage später hörte der Förster ebenfalls begeistert den englischen Sender, obwohl dies vom NS-Regime verboten worden war.

Die Familie überlebte, doch der Verlust von mindestens 25 engsten Verwandten, die alle gestorben waren, nahm die Mutter von Ingrid Willing so mit, dass sie wenige Jahre nach Kriegsende starb.

Heute ist Ingrid Willing Mitglied der Liberalen Jüdischen Gemeinde in Hannover.

Die Hauptaussage der Zeitzeugin war: "Ich wünsche mir Normalität - Normalität zwischen Juden und Menschern anderer Religion, die aber bis heute nicht vorhanden ist." Später sagt sie noch: "Unsere Synagogen werden immer noch von der Polizei bewacht..." Am Schuss beantwortete sie bereitwillig die Fragen von Schülern (und Lehrern).

Link-Tipp: Artikel über den Bericht des des Hitlerjungens Salomon Perel (ebenfalls ein Zeitzeugen). Zum Artikel



Hier nun noch weitere Bilder: (Für eine größere und schärfere Darstellung bitte das Bild anklicken)

Broschüre:
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- Hinten

Bericht von Simon Pfuhl