Der Hitlerjunge Salomon

Der Hitlerjunge Salomon


Mit dem Wort "Schalom" (hebräisch: Frieden) begrüßte der 80-jährige Salomo Perel am 13. Mai 2005 die versammelten Schüler des HAGs (Jahrgänge 10-13) und der Lisa-Tetzner-Schuler in der Aula des Schulzentrums. Am Ende des Vortrags erhoben sich die Schüler und klatschten begeistert. Die Zahl an Schülern die sich anschließend das Buch kauften und es sich signieren ließen war beträchtlich.

Der Zeitzeuge überlebte den Holocaust auf eine besondere Art und Weise. Erst vierzig Jahre später war er bereit, anderen Menschen von seinen Erlebnissen zu erzählen.

Sally Perel überlebte "unter der Haut des Feindes", in einer Hitlerjugendschule in Braunschweig.

Salomon Perel wurde 1925 in Peine geboren. Er erlebte "die 10 glücklichsten Jahre seines Lebens". Nach den Nürnberger Rassengesetze (1935) flüchtete seine streng jüdische Familie ins polnische Lotz. Niemand rechnete dort mit einem Einmarsch Hitlers.
Als am 1. September 1939 jedoch Deutschland Polen angriff schickten seine Eltern, die ins Ghetto geschickt wurden, Salomon und seinen 16 Jahre älteren Bruder Isaak auf die Flucht in Richtung Osten. Sie ahnten wohl, dass man aus einem Ghetto nicht wieder rauskommt.
Der Vater sagte zu seinem Sohn: "Sally, mein Junge, vergieß nie, wer Du bist!" und seine Mutter befahl ihm: "Sally, mein Junge, Du sollst leben!"

"Die Vitalität dieser drei Worte - Du sollst leben - gaben mir Mut und begleiteten mich durch die schrecklichste Zeit meines Lebens."

Die nächsten zwei Jahre lebte Salomon in einem sowjetischen Weisenhaus in Grodno und wurde kommunistisch erzogen. Doch immer wieder sehnte er sich nach seinen Eltern.

1941 überfällt Hitler die Sowjetunion, die Waisenkinder begeben sich auf die Flucht, doch sie werden kurz vor der Stadt Minsk von deutschen Soldaten gefangen genommen. "Wir standen in langen Reihen auf einem Feld und sollten sortiert werden. Mit meinem Stiefelabsatz grub ich meine Papiere in der Erde ein." Langsam wurde ihn Klar, das an der Schlange Juden aussortiert wurden und in einen nahe gelegenen Wald gebracht wurden. "Man konnte sogar die Schüsse des Exekutionskommandos hören."

"Hände hoch, rief der Soldat zu mir, da merkte ich, dass ich an der Reihe war." Langsam hielt er die Hände hoch. Doch plötzlich "kehrte der Lebensgeist" zu Sally zurück. Mit fester Stimme sagte er: "Ich bin kein Jude, ich bin Volksdeutscher!" - "Und das Wunder geschah. Man glaubte mir".
Viele Juden hatten vor den Deutschen ihren Glauben verheimlich, doch die meisten sind nicht durchgekommen. Nun wurde Salomon zu einem höher gestellten Offizier gebracht, der sofort Papiere verlangte. Doch Salomon überlegte sich in Bruchteilen von Sekunden einen neuen Namen. Salomon konnte er ja nicht sagen, dann hätte man ihn sofort als Juden erkannt. Der erste Name, der ihn einfiel war Joseph. Später wurde er von Kameraden "Jupp" genannt. Die anderen Soldaten mochten ihn, "doch wenn die gewusst hätte, dass ich ein Jude war, die hätten mich gehasst."

Nach einigen Jahren als Übersetzer bei der Deutschen Armee sollte Salomon von einem Offizier ohne Kinder adoptiert werden. Dieser schickte ihn in eine nationalsozialistische Hitlerjugend-Schule nach Braunschweig. "Das unter dem Hakenkreuz an meiner Uniform mein jüdisches Herz blutete, durfte ich niemandem zeigen".

"Dieser vier Jahre die ich dort verbrachte wurden für mich zu vier Ewigkeiten", sagt Salomon Perel heute.

In der Hitlerschule führte er ein Doppelleben. Nur in den Nächten dachte/träumte er von seinen Eltern. Die Erzieher schafften es die Schüler zu überzeugen, dass die nationalsozialistische Ideologie richtig sei. Ständig wurden sie an die Ideologie und an den Judenhass erinnert. "Die schrecklichsten Stunden in der Schule waren die des Faches Rassenkunde, doch es gab auch Fächer, die mir gefielen, wie z.B Mathe".

Heute denkt sich Salomon Perel: "Wie konnte ich nachts den Judenstern ans Fenster malen und tagsüber Heil Hitler brüllen und sogar den Endsieg wünschen?"

Während dieser vier Jahre fuhr Salomon in den Ferien nach Lotz, er hoffte seine Eltern zu finden. Doch man durfte das Ghetto nur mit einer Straßenbahn durchqueren. "Ich bin jeden tag 2-3 mal durch das Ghetto gefahren." Einmal glaubte er, er habe seine Mutter gesehen.
Heute weis er, dass seine Eltern in diesem Ghetto gestorben sind.

Nach der Eroberung Deutschlands durch die Alliierten wandert Salomon mit seinem Bruder Isaak (den er nach dem Krieg wieder fand) nach Israel aus, wo er noch heute lebt.

Über den Massenmord an den Juden hat Salomon Perel erst später erfahren und er hat inzwischen allen Glauben an Gott verloren: "Ich habe meinen Gott in Auschwitz verloren. Keine Religion kann mir die Asche der verbrannten Kinder erklären".

Link-Tipp: Artikel über den Projekttag "8. Mai 1945 - Erinnern und Verantworten". Zum Artikel

Autor: Sally Perel
Titel: Ich war Hitlerjunge Salomon
Verlag: Heyne
Preis: 7,95 € (Taschenbuch)
ISBN: 3-453-06512-3

Bericht von Simon Pfuhl