• Zusammen leben, zusammen wachsen – HAG beteiligt sich an Interkultureller Woche

    "Zusammen leben, zusammen wachsen" - so lautet das Motto der Interkulturellen Woche, an der sich sowohl die Stadt Barsinghausen als auch das Hannah-Arendt-Gymnasium beteiligen. In diesem Jahr gibt es in der Woche vom 27. September bis 4. Oktober vielfältige Veranstaltungen, bei denen das Zusammenleben innerhalb einer vielfältigen und von Migration geprägten Gesellschaft im Vordergrund steht. Als Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage setzt sich das HAG auf vielfältige Weise mit diesem Themenkomplex auseinander.

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  • Podiumsdiskussion

    Die Politik-Leistungskurse der Qualifikationsphase erhalten am 5. Oktober 2020 die Chance, mit den Kandidat*innen für das Amt des Bürgermeisters bzw. der Bürgermeisterin ins Gespräch und vor allem in die Diskussion zu kommen. Hierfür hat die Politik-Fachgruppe das Format der moderierten Podiumsdiskussion entwickelt.

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  • Was macht eigentlich...

    ...der Schulelternrat?

    Zu einem lebendigen Schulleben gehört die aktive Mitwirkung aller daran Beteiligten, in erster Linie Schülerinnen und Schüler, deren Eltern, die Schulleitung sowie Kolleginnen und Kollegen. Die Interessen der Eltern werden durch den Schulelternrat vertreten, der am 28. September 2020 wieder zur Sitzung zusammenkommt.

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  • Das neue Jahrbuch ist da!

    Mit Schuljahresbeginn ist auch das neue Jahrbuch fertig geworden und ist nun für 5,- Euro bei Frau Otawa im Sekretariat erhältlich. Der Rückblick auf das letzte Schuljahr lohnt sich in diesem Jahr besonders, denn ein Teil des Unterrichtes, der AG-Aktivitäten und des Schullebens allgemein spielte sich ja wegen der Schulschließung "hinter den Kulissen" ab. Am Montag, den 5.10.2020 wird es der Öffentlichkeit vorgestellt.

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Coronavirus im Senegal

von Dr. Ute Gierczynski-Bocandé

Dakar, 19.03.2020: Der Präsident plädiert für Händewaschen, aber Wasser ist rar. 36 offizielle Coronafälle, Dunkelziffer unbekannt.

Macky Sall, der senegalesische Präsident, antwortete gestern auf die "Herausforderung" des ruandischen Präsidenten Paul Kangame, der alle afrikanischen Staatschefs für die Durchsetzung des Appells der WHO sensibilisiert hat: #Safehands. In der am meisten gesprochenen Landessprache Wolof und die Hände unter dem Wasserhahn wandte Macky Sall sich an seine Landsleute, um die Dringlichkeit der gebotenen Hygienemaßnahmen eindringlich zu betonen. Auch alle Fachminister und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens rufen die Senegalesen via der verschiedenen Medien intensiv zur Einhaltung den Präventionsmaßnahmen an. Allerdings war die Reaktion nicht nur positiv: Nicht nur in vielen ländlichen Gebieten, in abgelegenen Dörfern, deren Brunnen fast versiegt sind, sogar in der Hauptstadt fehlt in manchen Vierteln das Wasser, wenn die parastaatliche Wasserversorgungsgesellschaft das kostbare Gut für Stunden oder Tage abstellt.

An den Straßenrändern der Großstädte werden von fliegenden Händlern Handdesinfektionsmittel in allen Formaten angeboten, die Straßen der Hauptstadt haben sich geleert und die Regale der Supermärkte sind, wie in Europa, leergekauft. Corona ist im Senegal sehr präsent und gefürchtet, die öffentlichen und privaten Medien senden quasi nur noch Vorbeugemaßnahmen und statistische Angaben.

Das Coronavirus kam vor drei Wochen in den Senegal: Touristen aus Frankreich und Italien waren die ersten bestätigten Coronapatienten, dann ein senegalesischer Auswanderer, der nach Touba zurückgekehrt war, in die stark bevölkerte religiöse Hauptstadt der Mouriden-Bruderschaft. Bislang gibt es 36 bestätigte Fälle, die meisten betroffenen Personen waren aus europäischen Ländern nach Senegal gekommen. Aus diesem Grund wurde ab dem 18. März der internationale Flugverkehr zunächst mit mehreren europäischen und nordafrikanischen Länder (Frankreich, Spanien, Italien, Portugal, Belgien, Algerien und Tunesien), einen Tag später mit allen anderen Ländern, ausgesetzt, erst einmal für drei Wochen.

Im Ministerrat am 18. März wurde eingehend auf den Notfallplan mit sechs grundlegenden Maßnahmen eingegangen und die Durchsetzungsmodalitäten besprochen, gleichzeitig wurde ein Krisenmanagement-Ausschuss gebildet, der zeitnah alle Informationen sammelt, bearbeitet und ggfs. neue notwendige Maßnahmen einführt. Ein Notpaket als Hilfestellung für Klein- und Mittelunternehmen sowie für bedürftige Familien soll eingerichtet werden.

So wurde mehrere einschneidende Maßnahmen getroffen, wenn auch noch kein allgemeiner Hausarrest. Alle Schulen, Universitäten und Bildungsinstitute sind vom 14. März bis 14. April geschlossen. Öffentliche und private Veranstaltungen sind formal verboten, die Polizei wacht über alle eventuellen Menschenansammlungen - dort, wo ausreichend Polizeikräfte vorhanden sind. Alle Kirchen sind geschlossen, der Betrieb der Moscheen wurde eingestellt, alle Wallfahrten und andere religiösen Ereignisse abgesagt. Viele Behörden haben ihren Publikumsverkehr auf ein Minimum beschränkt, was zu starken Verzögerungen in Verwaltungsvorgängen und im Gerichtswesen führt. Viele Restaurants und Bars sind geschlossen, der Straßenverkehr in den großen Städten ist auf Grund der fehlenden Passagiere (vor allem Schüler und Studenten) sehr reduziert. Die Sensibilisierungsmaßnahmen von öffentlichen und privaten Trägern scheinen zu fruchten, denn der obligatorische Handschlag der Senegalesen wird mehr und mehr durch einen "Ellenbogen-Gruß" oder einfach die erhobenen Hände ersetzt. Jedoch: die Schüler sind daheim, nur die Eltern müssen noch arbeiten gehen, wohin sollen also die Kinder? So kommt es, dass die Strände Dakars gut gefüllt sind mit Kindern und Jugendlichen, ebenso die Fußballplätze, obwohl die Regierung von der Nutzung öffentlicher Plätze abgeraten hat.

Jedoch stellt sich die Frage, mit welchen Mitteln diese sinnvollen und notwendigen Präventiv- und Notmaßnahmen landesweit durchgesetzt werden sollen? Verfügt der senegalesische Staat über ausreichende personelle und materielle Ressourcen, über die technische und logistische Ausstattung? Staatliche und nichtstaatliche Organisationen haben große Vorbeugeaktionen begonnen und tragen dazu bei, Krankenhäuser und Krankenstationen mit modernem und effizientem Material auszustatten. Die Caritas finanziert beispielsweise in zwei großen Krankenhäusern in Dakar und in Thiès die Einrichtung von Corona-Stationen.

Jedoch: Dakar ist eine Millionenstadt, allein 1,5 Millionen Menschen leben im Zentrum der Hauptstadt, und 2-3 Millionen in den peripheren Vierteln, teilweise in extremer Promiskuität. Um die vorbeugenden Maßnahmen hier durchzusetzen, wären Hundertschaften von Ordnungskräften notwendig. In den Regionalstädten, die nicht so stark bevölkert sind, stehen die Chancen vielleicht besser, aber Probleme wird es vor allem in der Stadt Touba geben, die mit mehr als 1 Million Einwohnern ein großes Risiko darstellt. Von hier kommen zahlreiche Auswanderer, von denen viele mittlerweile auf dem Landweg zurückkehren, um dem Virus in Frankreich und Italien zu entkommen. Der erste Fall außerhalb Dakars wurde in Touba aufgedeckt: ein Einwanderer aus Frankreich. Wie viele Menschen er eventuell schon angesteckt hat, ist die Frage. Aber abgesehen von diesem Einzelfall, der ausgiebig in den Medien kommentiert wurde, stellt sich die Frage der Dunkelziffer: Die Möglichkeit, dass alle oder fast alle Coronafälle entdeckt und behandelt werden, ist unrealistisch. Zu befürchten ist vielmehr, dass viele Infizierte sich nicht melden und die Ansteckungsgefahr überall im Land sehr hoch ist, besonders in den Ballungsgebieten. Deshalb sind die strengen Maßnahmen der Regierung sehr wichtig und notwendig.

Wenn aber schon in der Hauptstadt, die über ein für den Kontinent ausgezeichnetes Angebot an privaten und öffentlichen Gesundheitseinrichtungen verfügt, die Ansteckungsgefahr hoch ist - durch zeitweisen Wassermangel, durch einen nachlässigen Umgang der Bevölkerung mit den Sicherheitsvorschriften, durch die extrem eng bevölkerten Viertel und überfüllte öffentliche Verkehrsmittel - wie sieht es in den ländlichen Gegenden aus? In den Kleinstädten und Dörfern leben die Menschen nicht so eng zusammen, sodass dieser Ansteckungsfaktor eventuell nicht so akut ist wie in der dicht bewohnten Metropole. Aber hier sind die Menschen häufig Analphabeten, haben nicht immer Zugang zu Information und zu den über die Medien verbreiteten Sensibilisierungsmaßnahmen. Und vor allem haben die Menschen in ländlichen Regionen nicht genügend Zugang zu Gesundheitsinfrastrukturen, die entweder nicht vorhanden oder nicht ausreichend ausgestattet sind. A propos, das einzige Labor, das landesweit den Coronatest durchführen kann, ist das Institut Pasteur in Dakar.

Manche Senegalesen sind schockiert von gewissen Stimmen, die behaupten, das Coronavirus hätte in Afrika sicher nicht so schwere Folgen, da die Bevölkerung mit 60 % der Einwohner unter 20 Jahren sehr jung sei und damit nicht in dem Maße von den tödlichen Auswirkungen der Krankheit bedroht wie die alternde europäische Bevölkerung. Dieses Argument ist allerdings weit gefehlt: Zwar ist die afrikanische, und auch die senegalesische Bevölkerung jung. Gewiss sind junge Menschen besser gegen das Virus gefeit - wenn sie denn guter Gesundheit sind. Das starke Stadt-Landgefälle Senegals offenbart allerdings, dass die infrastrukturelle Ausstattung von Bildungs- aber vor allem von Gesundheitsstrukturen exponentiell abnimmt, je weiter man sich von der Hauptstadt und der relativ wohlhabenden Küstenregion fortbewegt. Dies bedeutet, dass im Falle einer Ausbreitung der Pandemie die ländlichen Regionen teilweise schutzlos dastehen.

Hinzu kommt, dass in eben diesen Regionen, derzeit besonders in einigen grenznahen Gebieten, eine Hungersnot droht. Auch in "normalen" Zeiten sind in diesem Gebieten viele Menschen, besonders Kinder und Jugendliche, fehl-, mangel- oder sogar unterernährt, wie aus den Statistiken der WHO hervorgeht. Dies bedeutet im Klartext, dass beim Ausbrechen der Pandemie in Senegal nicht nur die "Alten" gefährdet sind, sondern dass die Vulnerabilität besonders auch Kinder und junge Menschen betrifft, ganz abgesehen von den vielen Menschen, die ohnehin schon durch Krankheiten geschwächt sind (Malaria, Durchfall- und Atemwegserkrankungen). So kann nach derzeitigem Stand nur gehofft werden, dass die strikten Maßnahmen auf allen Ebenen tatsächlich eingehalten werden und dass das Virus sich eindämmen lässt - sonst besteht die Gefahr, dass die schlimmsten Worst case scenarios eintreten könnten.

Regierung, zivilgesellschaftliche Organisationen und Religionsgemeinschaften ziehen alle am selben Strang, um die Verbreitung des Virus einzudämmen, hinzu kommen Hilfeleistungen von internationalen Organisationen, die im Kampf gegen das Virus einen hohen Mitteleinsatz versprochen haben. Zwar werden auch, wie teilweise in Deutschland, zweifelnde Stimmen laut, welche die vom Staat ergriffenen Maßnahmen ablehnen oder die Gefahr relativieren und dabei nicht selten in Leichtsinn und Verantwortungslosigkeit abdriften. Einige wenige Oppositionspolitiker nehmen die Maßnahmen gar zum Anlass, um den Staatschef zu kritisieren, allgemein jedoch werden die Schritte zur Prävention öffentlich gut und dankbar aufgenommen. Insofern ist im Moment damit zu rechnen, dass die Corona-Krise die senegalesische Regierung eher stärken wird. Es liegt nun natürlich daran, wie konsequent die Maßnahmen der einzelnen Fachministerien und in den öffentlichen Einrichtungen und Diensten durchsetzt und wie effizient die Ordnungskräfte es schaffen, für die ihre Anwendung zu sorgen. Nicht die Erlassung von Maßnahmen, sondern ihre Durchsetzung ist in Senegal häufig problematisch, da aus Personalgründen die Bevölkerung nicht überall erreicht werden kann und da spezielle soziologische Prägungen das Gruppenverhalten derart privilegieren, dass das permanente Aufrufen zum Abstand halten als penetrant aufgenommen und ggf. sogar abgelehnt werden könnte.

Letztlich muss die Entwicklung der Krise abgewartet werden, erst der Erfolg und die positiven Ergebnisse der Sensibilisierungskampagnen und ein effektives Nicht-Ausbrechen der Seuche - trotz der bisher aufgetretenen Einzelinfektionen - können darüber entscheiden, ob Macky Sall und seine Regierung mit Pluspunkten aus der Situation hervorgehen oder ob die aktuelle Regierungskoalition, falls dies nicht gelingt, auf eine Niederlage bei den nächsten Wahlen hervorgeht. Die Kommunalwahlen sind aus technischen Gründen von 2019 auf 2021 verschoben worden, und besonders in den Regionen, in den Kommunen wird sich zeigen, wie effizient Macky Salls Regierung Maßnahmen durchsetzen kann. Die Messlatte für die nächsten Wahlen ist hoch angelegt.

Dakar, d. 19.03.2020, Dr. Ute Gierczynski-Bocandé