Neben Nadine Albus wurden auch Elaine Rink und Marlin Barsch geehrt, sie erhielten zusätzlich einen „kleinen Buchpreis“. Während Albus und Barsch in ihren Essays der Frage nachgingen, ob jeder Mensch ein Anrecht auf die Wahrheit habe, beschäftigte sich Rink mit einem Zitat von Marcel Proust: „In Wirklichkeit ist jeder Leser ... der Leser seiner selbst“.
Für Maren Oelrich, die vierte Teilnehmerin, gab es den „großen Buchpreis“ des Landesfachverbandes Philosophie und die Weiterempfehlung an die Winterakademie in Münster. Sie ging beim Schreiben von einer Aussage Robert Spaemanns aus und gab ihrem Essay den Titel: „Freiheit ist Selbstbegrenzung“. Darin kam sie schließlich zu dem Schluss, dass die Ansicht vieler, Freiheit sei das Recht, alles zu dürfen, unzutreffend sei. Vielmehr „ist sie die Kunst, nicht alles zu müssen. […] In einer Zeit, die Fortschritt mit Kontrolle verwechselt, ist diese Einsicht aktueller denn je.“ Maren Oelrichs Essay überzeugte nicht nur die Landesjury, sondern bescherte ihr auch eine Einladung in die sogenannte Winterakademie. Zum ersten Mal konnte das HAG in diesem Jahr jemanden nach Münster zum Bundeswettbewerb entsenden. 26 philosophisch besonders begabte und interessierte Schüler:innen aus dem ganzen Bundesgebiet trafen sich dort vom 24. bis 27. Februar, um sich auszutauschen und in einer weiteren Runde Essays zu bestimmten Fragestellungen zu schreiben. Die Herausforderung hier: Nun mussten die Essays in englischer oder französischer Sprache verfasst werden. Am Ende erreichte Oelrich einen beachtenswerten 6. Platz.
„Es waren schon anstrengende und lange Tage“, berichtet die 18-Jährige. Es sei gut gewesen, sich gleich zu Beginn am Mittwoch an die Essays zu setzen und danach in die Workshoprunden zu gehen. Das übergeordnete Thema sei Kanonkritik gewesen, berichtet die Schülerin. Unter dem Leitgedanken „Philosophie zwischen Ausschluss und Teilhabe“ stand die kritische Auseinandersetzung mit dem Kanon, Geschlechterverhältnissen und der Öffnung des philosophischen Diskurs im Mittelpunkt. „Man bekommt noch einmal einen anderen Blick auf Philosophie, auch über das hinaus, was man so im Unterricht macht“, berichtet Oelrich, die im Abitur den Philosophie-Leistungskurs belegt. Besonders deutlich sei ihr geworden, dass das, was häufig als ‚die Philosophie‘ bezeichnet würde, eigentlich ein westlich-eingeschränkter Blick auf Philosophie sei. „Warum sprechen wir dann nicht von europäischer Philosophie, wie wir es ja auch zumeist tun, wenn wir von zum Beispiel afrikanischer oder asiatischer Philosophie sprechen?“, fragt sie. Auch die Unsichtbarkeit von Frauen in der Philosophie sei ein Thema. „Gut, wir haben Hannah Arendt sogar als Namensgeberin, aber sie ist auch inzwischen fester Bestandteil des Kanons – und es bleibt eben die Frage, wer gehört dazu und wer nicht?“ Häufig genug hätten sich auch Männer mit den Federn der Frauen geschmückt. In Münster zumindest sei das Geschlechterverhältnis etwa ausgewogen gewesen. Ein „bisschen Freizeit“ habe es dort zwischen dem ein oder anderen Stapel Texte auch gegeben, ergänzt Oelrich. „Und man lernt auch interessante Menschen kennen.“ Mit einigen wolle sie in Kontakt bleiben.
Der Fachverband bietet regelmäßig im Herbst auch ein philosophisches Wochenende als Ehemaligentreffen für die Teilnehmer:innen der Winterakademie an. Seit 2024 ist das Hannah-Arendt-Gymnasium als ProPhil-Schule auditiert, eine von bundesweit drei Schulen mit besonderem Schwerpunkt auf Philosophie und Ethik.
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