• Zusammen leben, zusammen wachsen – HAG beteiligt sich an Interkultureller Woche

    "Zusammen leben, zusammen wachsen" - so lautet das Motto der Interkulturellen Woche, an der sich sowohl die Stadt Barsinghausen als auch das Hannah-Arendt-Gymnasium beteiligen. In diesem Jahr gibt es in der Woche vom 27. September bis 4. Oktober vielfältige Veranstaltungen, bei denen das Zusammenleben innerhalb einer vielfältigen und von Migration geprägten Gesellschaft im Vordergrund steht. Als Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage setzt sich das HAG auf vielfältige Weise mit diesem Themenkomplex auseinander.

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  • Podiumsdiskussion

    Die Politik-Leistungskurse der Qualifikationsphase erhalten am 5. Oktober 2020 die Chance, mit den Kandidat*innen für das Amt des Bürgermeisters bzw. der Bürgermeisterin ins Gespräch und vor allem in die Diskussion zu kommen. Hierfür hat die Politik-Fachgruppe das Format der moderierten Podiumsdiskussion entwickelt.

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  • Was macht eigentlich...

    ...der Schulelternrat?

    Zu einem lebendigen Schulleben gehört die aktive Mitwirkung aller daran Beteiligten, in erster Linie Schülerinnen und Schüler, deren Eltern, die Schulleitung sowie Kolleginnen und Kollegen. Die Interessen der Eltern werden durch den Schulelternrat vertreten, der am 28. September 2020 wieder zur Sitzung zusammenkommt.

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  • Das neue Jahrbuch ist da!

    Mit Schuljahresbeginn ist auch das neue Jahrbuch fertig geworden und ist nun für 5,- Euro bei Frau Otawa im Sekretariat erhältlich. Der Rückblick auf das letzte Schuljahr lohnt sich in diesem Jahr besonders, denn ein Teil des Unterrichtes, der AG-Aktivitäten und des Schullebens allgemein spielte sich ja wegen der Schulschließung "hinter den Kulissen" ab. Am Montag, den 5.10.2020 wird es der Öffentlichkeit vorgestellt.

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Die Notwendigkeit der Erinnerung

Musik zur Ausstellungseröffnung Sonderzüge in den Tod am 12. September 2011 in Stadthagen

Zwölf Waggons waren es, und wir waren sechshundertundfünfzig; mein Waggon fasste nur fünfundvierzig, aber er war klein. Jetzt hatten wir also vor unseren Augen und unter unsern Füßen einen jener berüchtigten deutschen Transportzüge, die nicht wiederkehren und von denen wir, erschaudernd und immer etwas ungläubig, schon so oft gehört hatten. Es stimmte bis in alle Einzelheiten: von außen verriegelte Güterwagen, und drinnen Männer, Frauen und Kinder, erbarmungslos zusammengedrängt wie Dutzendware, auf der Fahrt ins Nichts, auf der Niederfahrt in die Tiefe. Drinnen sind dieses Mal wir.

Die Notwendigkeit der Erinnung - "Sonderzüge in den Tod"

So erinnert sich der Holocaust-Überlebende Primo Levi in seinem autobiographischen Bericht Ist das ein Mensch? an seine Deportation ins Vernichtungslager Auschwitz. Die damalige Reichsbahn - Vorgänger der heutigen Deutschen Bahn - war durch ihre Menschentransporte in die Konzentrations- und Vernichtungslager entscheidend an der massenhaften Ermordung der jüdischen Bevölkerung während des Dritten Reiches beteiligt. Die Wanderausstellung Sonderzüge in den Tod der Deutschen Bahn dokumentiert diese alltägliche institutionelle Verstrickung und stellt sich damit einer Pflicht zur Erinnerung. Bei der Ausstellungseröffnung am 12. September 2011 in der Zehntscheune in Stadthagen, an der neben einem Philosophiekurs des Ratsgymnasiums Stadthagen auch ein Kammerorchester aus Schülerinnen und Schülern des HAG beteiligt war, griffen photographische Dokumentation, literarisches Zeugnis und musikalische Erinnerung ineinander. Die Ausstellung mit ihren photographischen Portraits und Dokumenten versucht, den Deportierten wiederzugeben, was ihnen die Nationalsozialisten durch die Abfertigung als "Dutzendware" in Güterwagen und Stückzahlen, durch die Auflistung in scheinbar endlosen Reihen kaum zu fassender Namenslisten und die Enteignung von allen persönlichen Gegenständen bewusst genommen haben: Den Anspruch auf die Wahrnehmung als Individuum mit eigenen Bedürfnissen, Wünschen und einer persönlichen Geschichte - zusammengefasst ein Recht auf die Anerkennung der jedem Menschen zukommenden Würde.

Vielfach haben Literatur, Politik, Wissenschaft und Philosophie versucht, die durch Entsetzen und Unbegreiflichkeit hervorgerufene Sprachlosigkeit zu überwinden. Entstanden sind schließlich autobiographische Zeugnisse, wie das von Primo Levi, aber auch Gedichte, die trotz des Adorno-Diktums, nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben sei "barbarisch", versuchen, die Ereignisse künstlerisch zu verarbeiten. Wolf Biermann versucht in seiner Übertragung von Schon wieder die Waggons: da sind sie des in Auschwitz ermordeten Literaten Jizchak Katzenelson dem Ausdrucksgehalt des jiddischen Originals nahezukommen:

Ich will nicht. Furcht und Schrecken. Das Entsetzen macht mich wild Schon wieder die Waggons. Grad gestern abend weg, heut wieder hier So stehn sie auf dem Umschlagplatz, siehst du ihr offnes Maul? Ein Bild Wie lauter aufgerissne Rachen. Dieser Zug ist wie ein Tier Gefräßig sind all die Waggons und furchtbar nimmersatt. Gelabt Hab'n sie sich an dem Judenfraß, sie knurren: Her damit, her! her! Heißhunger haben die Waggons, als hätten sie noch nix gehabt Sie wollen Juden fressen. Mehr! Und mehr und immer mehr

Das Kammerorchester unter der Leitung von Susanne Klees und Alban Peters verknüpfte die sehr unterschiedlichen literarischen Texte, die von Empörung und Verzweiflung herausschreienden Anklageschriften (Primo Levi: Anklage) bis hin zu Theaterszenen reichten, in denen scheinbar emotionslos mitleidslose und sich ihrer Schuld unbewusste Täter als Angeklagte oder Zeugen befragt werden (Peter Weiss: Die Ermittlung). Die Musik fügte den Dokumenten und Texten noch eine weitere Ebene hinzu: Unaussprechlich bleibt der Gegensatz zwischen der fröhlichen, traditionellen Klezmer-Musik Mazeltov zur Hochzeit und den geschilderten Ereignissen, unbegreiflich die Gnadenlosigkeit, mit der stampfende Eisenräder in den minimalistischen Patterns von Steve Reichs Different Trains die Zeitzeugenberichte Überlebender zerstückeln, schockierend die plötzliche Stille zu den Worten "Flames going up to the sky - it was smoking", die den Bestimmungsort der Zugfahrt im selben Stück eindeutig kennzeichnen.

Die wichtigste Botschaft des Abends lag vielleicht in dem das Konzert beschließenden jüdischen Oifn Pripetschik, das - wehmütig und tröstlich zugleich - den Wunsch nach Frieden (und nicht etwa das Verlangen nach Vergeltung) als zentrales Anliegen hervorhebt.

A. Peters

Zum Anhören: Akustischer Rundgang durch die Ausstellung.

Die Ausstellung fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Die Notwendigkeit der Erinnerung" des Fördervereins ehemalige Synagoge Stadthagen in Kooperation mit der GEW Schaumburg, der VHS Schaumburg und der Alten Polizei Stadthagen unter der Schirmherrschaft von Landrat Jörg Farr statt.