• Projekt "Nächstenliebe"

    Am 19.12.2018 werden die Schülerinnen und Schüler des Religionskurses der Jg. 8 im Rahmen des Unterrichtsthemas Nächstenliebe das von der Diakonie geführte Alten- und Pflegeheim Marienstift in Barsinghausen besuchen. Um 10.30 Uhr werden sie den Bewohnerinnen und Bewohnern ihre Weihnachtsgrüße überbringen.

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  • Weihnachtskonzerte - Rahmenprogramm

    Zahlreiche Arbeitsgemeinschaften und weihnac htliche Sonderprojekte bereiten für die Zeit vor und nach den Weihnachtskonzerten am 19. und 20.Dezember 2018 sowie für die Konzertpausen ein umfangreiches Rahmenprogramm vor.

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  • Weihnachtskonzerte

    Wie immer im Dezember zuvor möchten die Musikerinnen und Musiker des Hannah-Arendt-Gymnasiums auch in diesem Jahr zu einem adventlichen Ausklang der anstrengenden Schulzeit vor den Weihnachtsferien beitragen und laden zu den Weihnachtskonzerten am 19. und 20. Dezember, jeweils um 19.30 Uhr in der Aula des Schulzentrums, herzlich ein.

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  • Weihnachtliche Exkursion des 5. Jahrgangs

    Wie auch die jährlichen Weihnachtsfeiern, die in allen Klassen individuell gestaltet werden, sind auch Exkursionen fester Bestandteil der Vorweihnachtszeit für den 5.Jahrgang. Ziel ist in diesem Jahr das Schauspielhaus Hannover.

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Politik im Internet oder: Hannah Arendt und das World Wide Web

Überlegungen zu den Hannah Arendt Tagen 2017

von Alban Peters

"Demokratie im Datenkapitalismus" hieß der Impulsvortrag von Prof. Dr. Jeanette Hofmann bei der Abschlussveranstaltung der Hannah Arendt Tage 2017 in Schloss Herrenhausen, in dem sie sich mit Digitalisierung und demokratischem Wandel beschäftigte. Soziale Netzwerke wurden hier als "Medium politischer Aktion" verstanden, digitale Medien als Einflüsse betrachtet, die die Demokratie nachhaltig verändern und diese als ein "offenes Projekt" erscheinen lassen. Sicht- und messbar werde die Größe dieses Projektes beispielsweise in der Anzahl veröffentlichter Posts nach wichtigen politischen Ereignissen.

Diese Sichtweise, so die Referentin, lasse sich auch auf Hannah Arendts Politikverständnis übertragen. Die digitale Welt ermögliche die Partizipation aller, erzeuge entsprechend eine über das Individuum herausgehende "Mitwelt". Hier sei das politische Handeln "narrativ verfasst" und lasse "Demokratie als ,Erzählung'" sichtbar werden - eine These, die nähere Betrachtung verdient.

Der Erscheinungsraum des Politischen

Tatsächlich lassen sich die Kommunikationsformen der digitalen Welt auch mit den Begriffen Hannah Arendts fassen und weisen wesentliche Gemeinsamkeiten mit ihrem Politikverständnis auf, das sich jedoch nicht ohne ihre anthropologischen Voraussetzungen begreifen lässt. "Den Menschen", wie ihn die Biologie und auch die traditionelle Philosophie zu fassen versucht - so Arendt kritisch -, gebe es in dieser Form nicht. Arendt betrachtet den Menschen als ein Wesen, welches nur im Plural existiert, ja, nur im Plural existieren kann: als einzigartiges Individuum, das jedoch immer zugleich auch als ein Mensch unter den vielen Menschen seiner Art lebt. Mit seiner Geburt betrete der Einzelne die bereits existierende Welt der Menschen und entwickele - in sie hineinwachsend - die zentralen Fähigkeiten, die notwendig seien, um in dieser gemeinsamen Welt zu leben und sie aktiv mitzugestalten: das "Handeln" und das "Sprechen".

Sowohl Handeln als auch Sprechen sind bei Arendt nie als rein selbstbezogene Tätigkeit möglich. Beides erfordert stets ein Gegenüber, mit dem ein Mensch zusammen handelt oder mit dem er oder sie spricht. Und genau in diesem Bereich zwischen den Menschen entstehe die Politik. Zwischen den Menschen, die im Handeln und Sprechen ihre Absichten öffentlich machen, eröffnet sich ein gemeinsamer Raum, in dem Menschen miteinander agieren, in dem Absichten und Aussagen öffentlich gemacht und Gestaltungsprozesse ausge-"handelt" werden.

Das Internet als Demokratie par excellence?

Diesen von Arendt so bezeichneten "Erscheinungsraum des Politischen" kann man sich natürlich in unserer medial vernetzten Welt durchaus auch als einen rein virtuellen Raum vorstellen. Auch hier treten InteraktionspartnerInnen in Erscheinung, werden Positionen und Argumente verhandelt und nicht selten auch in die konkreten Räume von Öffentlichkeit und politischen Institutionen getragen, sei es nun beispielsweise die Initiative "Right2Water/Menschenrecht auf Wasser", die ins EU-Parlament vordringt, oder - immer noch besonders aktuell - die #MeToo-Debatte, die auch in der realen Welt konkrete Handlungspflichten einfordert. Hier eröffnen sich durch virtuellen Austausch, ohne dass sich Menschen jemals real begegnen, völlig neue Handlungs-Spielräume zur Gestaltung des öffentlichen Lebens. In diesem virtuell-politischen Raum erreicht jedes "Sprechen" eine Unzahl von potentiellen Akteuren, vervielfacht sich die mögliche Zahl der Handelnden ins kaum Überschaubare - und durch die vermeintliche Gleichberechtigung der verfassten "Erzählungen" und deren Unabhängigkeit von Ämtern und Institutionen mag dieser virtuell erweiterte "Raum des Öffentlichen" (so Arendt im Interview), in dem Politik stattfindet, tatsächlich als Demokratie par excellence wirken.

Handeln im Konjunktiv

Bei näherer Betrachtung zeigen sich allerdings eine ganze Reihe von Einschränkungen und Bedingungen, die Jeanette Hofmanns Sichtweise als - zumindest im Sinne Arendts - wenig zwingende Verallgemeinerung erscheinen lassen. Denn das "Handeln" in der virtuellen Welt zeigt vor allem (politische) Handlungs-"Möglichkeiten" auf.

Das Schreiben, Kommentieren, Posten, Chatten, Twittern u.v.m. kann sich direkt an InteraktionsparterInnen richten, setzt diese aber nicht notwendigerweise voraus, denn es bleibt vielleicht bei einer bloßen Mitteilung, die keinerlei Re-"Aktion" erfordert. Mit einer Meinung oder einem Argument kann sich der Einzelne zugleich an tausende von AdressatInnen wenden, ohne dass dadurch eine Diskussion oder ein Aushandlungsprozess entstehen muss, da sich trotzdem niemand konkret angesprochen fühlt. Eine einzige veröffentlichte Aussage kann wiederum unzählige Meinungen hervorrufen, die sich ihrerseits wieder in bloßen Kommentaren ohne Begründungen oder Ge- bzw. Missfallensäußerungen erschöpfen können, ohne dass auch nur im Ansatz eine inhaltliche Auseinandersetzung oder eine zusammenhängende "Erzählung" entstehen muss. Belanglosigkeiten hingegen können als brisantes Politikum erscheinen und dadurch plötzlich gleichrangig neben ernsthaften politisch-gesellschaftlichen Anliegen stehen. Das Leben des einzelnen, beißwütigen Kampfhundes Chico, der mehrere Menschen getötet hat, kann also in den virtuellen Diskussionsräumen plötzlich ein geradezu unglaublich viel höheres Gewicht bekommen, als die tägliche Misshandlung und Tötung von Millionen von Nutztieren.

Im Internet droht also zudem auch immer die Abkoppelung der politischen Dimension des Handelns von der bloßen Anzahl der Handelnden. Die Anzahl von Klicks suggeriert zugleich auch immer eine hohe Bedeutsamkeit, die völlig frei von ihrer eigentlichen gesellschaftlichen Relevanz sein kann. Die reine Quantität von Aktivitäten im Web, wie sie bei den Hannah Arendt-Tagen als Beleg herangezogen wurde, sagt also überhaupt nichts über deren Wirksamkeit und Qualität aus, da diese sich in bloßem "Gerede" erschöpfen können. "Handeln" im Internet birgt daher ein hohes Maß an Potentialität.

Person und Verantwortung

Natürlich gilt all dies in gewisser Weise auch für das Handeln und Sprechen im realen öffentlichen Raum, allerdings vervielfachen sich in der virtuellen Welt sowohl die Breite der (potentiellen) Handlungsmöglichkeiten als auch die Zahl der möglichen Akteure. Letztere werden in ihrer Bedeutung durch die hohen, scheinbar gleichberechtigten Partizipationsmöglichkeiten zugleich gesteigert, durch die oftmalige Reduzierung auf ihre bloße Zahlenmäßigkeit zugleich jedoch auch marginalisiert.

Eine besondere Erscheinungsform bewusster Marginalisierung zeigt sich in Beiträgen und Kommentaren, die anonym (oder auch pseudonym) verfasst sind und sich dadurch von der Person des Handelnden endgültig abzukoppeln versuchen. Wenn die eigene Identität, die eigene Person, geleugnet oder verborgen wird, kann dies zugleich als Versuch verstanden werden, die eigene Verantwortlichkeit für das Handeln und Sprechen zu leugnen. Ein essentieller Bestandteil des Menschseins wird auf diese Weise abzulegen versucht, ein Verzicht, der nach Hannah Arendt weder wünschenswert noch überhaupt möglich ist - rüttelt er doch an den Grundfesten des menschlichen Selbstverständnisses, das sich durch das freie, eben dadurch aber auch immer das mit der eigenen Verantwortung verbundene Handeln auszeichnet.

Dennoch können auch anonyme Posts eine tragende Rolle in politischen Aus-"Handlungs"-Prozessen entwickeln, indem sie etwa von weiteren anonymen oder konkreten Personen aufgegriffen, diskutiert und weiterentwickelt werden und dadurch eigene Referenzen erzeugen, die ihrerseits wieder gesellschaftlich wirksam werden können. Im virtuellen Raum entwickelt das "Sprechen" daher - auch scheinbar losgelöst vom Menschen - das Eigenleben einer fiktiven Person, deren Äußerungen letztendlich weder kontrolliert, noch zurückgenommen werden können und die Grundlage für eine weitere fortgeschriebene "Erzählung" mit ihren eigenen, vielleicht auch überraschenden Wendungen sein können.

Was jedoch immer bleibt, ist auch hier die persönliche Verantwortung des Urhebers für das Gesprochene, der sich der auf diese Weise Handelnde (ob nun anonym oder nicht) auch in der virtuellen Welt niemals entziehen kann und der er sich jederzeit bewusst sein sollte.

Von Unwahrscheinlichkeit und Relevanz

Jede virtuelle Äußerung kann (und auch hier gelangt man wieder zur Potentialität) daher ein neues "offenes Projekt" beginnen und auf ihre eigene, oft unvorhersehbare Weise politische Räume öffnen, politische Narrative fortschreiben und gesellschaftliche Wirksamkeit erzeugen. "Das Medium zwängt den Diskurs also keineswegs in starre Bahnen", schreiben Jörg Scheller und Wolfgang Ullrich in der ZEIT (22/2018) in ihrer Verteidigung der Bedeutung von Twitter in der akademische Diskussion. "Vielmehr", so heißt es weiter, "entstehen neue, offene Räume und Unwahrscheinlichkeitsgebilde", in denen sich mit Blick auf Arendts Überlegungen auch deren "Erscheinungsraum des Politischen" wiederfinden lässt.

Diese politischen Räume auszustatten und mit Bedeutsamkeit zu füllen, ist eine zentrale Aufgabe, der sich die Menschheit stellen muss, um die neuen Möglichkeiten politisch-demokratischer Partizipation gesellschaftlich sinnvoll einzusetzen und wirksam zu machen. Arendts Begriff des "Handelns" kann hier als Leitfaden dienen: Jedes - auch virtuelle - Handeln und Sprechen muss ein gemeinsames Handeln von Personen sein und erfordert neben konkreten Diskussions- und InteraktionspartnerInnen nicht nur eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den jeweiligen Anliegen, sondern muss immer zugleich auch einem moralischen Anspruch des Einzelnen an sich selbst gerecht werden: Jedes Handeln erfordert stets das Bewusstsein der eigenen Verantwortung für dieses Handeln. Auf diese Weise können die neuen "Räume" mit Sicherheit auch Unwahrscheinliches und Überraschungen enthalten, bleiben jedoch weder leer noch mit bloßen Belanglosigkeiten gefüllt.